Ratgeber für Solo-Selbstständige

Sichtbar werden als Solo-Selbstständiger: die ersten 90 Tage.

Als Solo-Selbstständiger konkurrierst Du nicht mit großen Anbietern, sondern mit der Tatsache, dass Dich niemand kennt. Sichtbarkeit entsteht in dieser Reihenfolge: ein Ort, der Dir gehört, ein Eintrag bei Google, drei Sätze, die Dich beschreiben, dazu Geduld. Dieser Ratgeber führt durch die ersten 90 Tage.

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Am Anfang der Selbstständigkeit ist Sichtbarkeit ein Henne-Ei-Problem. Ohne Kunden gibt es keine Bewertungen, ohne Bewertungen kommen weniger Kunden. Ohne Inhalte findet Dich Google nicht, ohne Besucher lohnt sich das Schreiben kaum. Aus diesem Kreis kommt man heraus, aber nicht mit dem, was in den meisten Ratgebern steht. Weder ein Redaktionsplan für vier Netzwerke noch ein Werbebudget lösen das Problem in den ersten Monaten. Was hilft, ist eine Reihenfolge, in der jeder Schritt den nächsten trägt. Die 90 Tage sind kein Versprechen, dass danach die Auslastung steht. Sie sind der Zeitraum, in dem die Grundlagen fertig sein können, ohne dass Du Dich zwischen Aufträgen und Aufbau zerreibst. Wer nebenbei noch Kunden bedient, rechnet eher mit vier Monaten. Das ist völlig in Ordnung.

Schritt für Schritt.

  1. Tag 1 bis 10, ein Ort, der Dir gehört

    Bevor Du irgendwo Inhalte veröffentlichst, brauchst Du eine Adresse, die Dir gehört. Drei bis sechs Seiten reichen: was Du machst, für wen, wer Du bist, wie man Dich erreicht, dazu Impressum und Datenschutz. Wichtig ist nicht, dass sie perfekt ist, sondern dass sie existiert und in unter zwei Sekunden lädt. Alles Weitere baut darauf auf.

  2. Tag 10 bis 20, das Google-Unternehmensprofil

    Der Eintrag ist kostenlos und für lokal arbeitende Selbstständige der schnellste Hebel überhaupt. Ohne Ladenlokal legst Du ihn als Servicegebiet-Eintrag an, ohne öffentliche Adresse. Kategorie, Leistungen, echte Fotos, Öffnungszeiten. In der Kartenansicht stehen drei Anbieter über allen anderen Treffern. Dort ist der Wettbewerb geringer als um die organischen Plätze.

  3. Tag 20 bis 30, drei Sätze, die Dich beschreiben

    Schreib auf, was Du machst, für wen und wo, in einem Satz. Dann einen zweiten, der sagt, was danach anders ist. Dann einen dritten, der den nächsten Schritt nennt. Diese drei Sätze stehen danach überall gleich: auf der Website, im Google-Profil, in Deinen Profilen, in der E-Mail-Signatur. Diese Wiederholung ist kein Mangel an Ideen, sie ist der Punkt.

  4. Tag 30 bis 60, die drei Fragen beantworten

    Jede Leistung hat drei Fragen, die Interessenten googeln, bevor sie anfragen. Was kostet das? Wie läuft das ab? Woran erkenne ich, ob ich das brauche? Beantworte jede auf einer eigenen Seite, vollständig und ohne etwas zurückzuhalten. Das sind die Seiten, über die Dich Menschen finden, die Dich nicht kennen. Und es sind die Texte, die KI-Systeme zitieren.

  5. Tag 60 bis 75, um Rückmeldungen bitten

    Nach jedem abgeschlossenen Auftrag fragst Du nach einer kurzen Rückmeldung und, wenn es passt, nach einer Bewertung im Google-Profil. Der Moment direkt nach der Übergabe ist der einzige, in dem die meisten das wirklich machen. Drei echte Bewertungen verändern die Klickrate in der Karte deutlich.

  6. Tag 75 bis 90, einen Kanal wählen

    Erst jetzt kommt die Frage, wo Du regelmäßig auftauchst. Die Antwort ist genau ein Kanal. Der, auf dem Deine Kundschaft ohnehin ist, nicht der, der Dir am meisten Spaß macht. Ein Beitrag pro Woche über zwölf Monate wirkt mehr als vier Kanäle über sechs Wochen.

Was dabei oft schiefgeht.

Mit dem Logo anfangen

Wochen für Logo, Farben und Visitenkarten, während es die Website noch nicht gibt. Niemand beauftragt Dich wegen Deines Logos. Das kommt später und kostet dann auch weniger.

Alles selbst machen wollen

Website, Buchhaltung, Steuern, Verträge, Marketing. Am Ende dauert jedes Stück dreimal so lange und die eigentliche Arbeit bleibt liegen. Rechne einmal aus, was eine Stunde Deiner Arbeit wert ist, bevor Du ein Wochenende in einen Baukasten steckst.

Zu früh Geld für Anzeigen ausgeben

Anzeigen schicken Menschen auf Deine Seite. Wenn dort nicht klar wird, was Du anbietest und was es kostet, verbrennst Du das Budget. Erst die Grundlagen, dann bezahlte Sichtbarkeit.

Wann Du das alles nicht brauchst.

Wenn Deine Auftragsbücher voll sind und die Empfehlungen reichen, brauchst Du keinen 90-Tage-Plan. Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck. Sie lohnt sich, wenn Du unabhängiger von Zufall werden willst oder wenn Du gerade anfängst und noch niemand von Dir weiß. Und sie kostet in den ersten Monaten fast nur Zeit, nicht Geld, wenn man die Reihenfolge einhält.

Häufige Fragen

Was kostet der Aufbau in den ersten 90 Tagen?
Das Google-Profil ist kostenlos. Die Website gibt es bei 57Marketing im Abo: ein einmaliger Aufbaupreis, danach ein fester Monatsbeitrag, in dem Domain, Hosting und SSL stecken. Alles andere ist Zeit, keine Rechnung.
Reicht nicht ein Profil bei Instagram oder LinkedIn?
Für die ersten Kontakte aus dem eigenen Umfeld ja. Für alles darüber hinaus nicht: Profile werden bei Google kaum gefunden, tauchen in KI-Antworten selten auf und gehören Dir nicht. Sie ergänzen eine Website, sie ersetzen sie nicht.
Ich arbeite bundesweit. Bringt mir das Google-Profil etwas?
Ja, auch dann. Der Eintrag sichert die Zuordnung, wer Du bist und wo Du sitzt. Viele Menschen suchen trotzdem mit Ortsbezug. Als Servicegebiet-Eintrag kannst Du mehrere Regionen angeben, ohne eine Adresse zu veröffentlichen.
Was mache ich, wenn nach 90 Tagen nichts passiert ist?
Dann prüfst Du zuerst, ob die Grundlagen wirklich stehen: Wird die Seite bei Deinem Namen und bei Deiner Leistung plus Ort gefunden? Kommt jemand auf die Seite und bricht ab? Ohne diese beiden Zahlen ist jede weitere Maßnahme geraten. Die Google Search Console zeigt beides kostenlos.